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Hydraulischer Widder

Hydraulischer Widder | Geschichtliches

Mit dem Hydraulischen Widder können Sie ein Stück Geschichte der Wasserversorgung erleben. Erfahren Sie mehr über das historische Pumpwerk. Welche Bedeutung hatte der Hydraulische Widder für die Stadt Kamenz in der Vergangenheit und wie funktioniert die außergewöhnliche Wasserpumpe


Ein Hydraulischer Widder ist eine Wasserpumpe, die nur mit der Bewegungsenergie des strömenden Wassers betrieben wird. Sie befördert das Wasser ohne Zufuhr von Fremdenergie auf ein höheres Geländeniveau. 


Joseph Michel, der ältere der Gebrüder Montgolfier entwickelte 1797 das geniale Pumpwerk.
Übrigens: Die beiden Brüder sind auch durch die Erfindung des Heißluftballons bekannt.


Die Bezeichnung ist eine direkte Übersetzung des französischen „belier hydraulique“ ins Deutsche.


Funktionsweise
Funktionsweise

Von einem Vorlagebehälter strömt eine große Menge Wasser durch ein Stoßventil, das durch Zusatzgewichte oder Federkraft offen gehalten wird. Die Strömung des Wassers ist so stark, dass sie die Federkraft überwindet und sich das Ventil plötzlich schließt. Dabei baut sich kurzzeitig eine zurückwirkende Druckwelle auf. Diese öffnet das Druck- oder Flatterventil und drückt das Wasser in die Steigleitung. Der Druck in der Pumpe fällt daraufhin ab. Das Flatterventil schließt sich und das Stoßventil öffnet sich. Das Wasser fließt wieder durch und das Arbeitsspiel beginnt aufs Neue.


Durch den Ausbau des Kasernengeländes und die fortschreitende Industrialisierung um 1900 ergab sich ein erhöhter Bedarf an Trinkwasser.
In diesem Zusammenhang wurden durch die Stadt Kamenz neue Quellgebiete (Büttners Wiesen) zwischen den Ortschaften Lückersdorf und Gelenau erschlossen. Um eine Teil des Wassers in den Hochbehälter am Osthang des Hutberges zu transportieren, wurde 1905 eine dreifach kombinierte Mitteldruckheureka-Widderanlage Nr. 6 der Firma Merkel jun. aus Dresden errichtet. Diese pumpte das Wasser bis zum Jahr 1920 in den Hochbehälter bei Schefflers Gärtnerei. 1914 wurde eine elektrisch betriebene Dreiplungerpumpe der Firma Naeher Chemnitz zur Unterstützung gebaut. 1929 erfolgte bedingt durch den Neubau des Wasserwerkes Eselsburg die Stilllegung des Hydraulischen Widders.


Durch einen Beschluss des ehemaligen Rates des Kreises vom 21. Juni 1979 wurde der Hydraulische Widder mit der gesamten Bausubstanz zum Denkmal erklärt und in die Denkmalliste des Kreises Kamenz aufgenommen. Aus welchen Gründen bzw. durch wessen Anregung dies geschah, konnte bisher nicht ermittelt werden.


Nachdem der Hydraulische Widder fast in Vergessenheit geraten war, entdeckte man 1998 bei Archivübernahmen aus dem Nachlass des ehemaligen VEB Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Dresden die Urkunde mit der Denkmalerklärung. Nach Besichtigungen im Herbst 1999 fanden sich acht interessierte Personen, die erste Ideen zur Rettung des historischen Pumpwerkes entwickelten. Es folgten im Jahr 2000 durch den damaligen Besitzer, die Stadt Kamenz, und mit tatkräftiger Unterstützung des Kamenzer Geschichtsvereins e.V. Hilfsmaßnahmen gegen den weiteren Verfall der Anlage. Später bekam der Widder Stromanschluss und damit auch Licht. Nach einem fast 70-jährigen Dornröschenschlaf präsentierte sich die Anlage zum Tag des offenen Denkmals 2002 erstmals wieder der Öffentlichkeit. Kamen damals 160 Besucher, bewunderten zwei Jahre später schon 285 Gäste das teilsanierte Gebäude. Ende 2003 wurde das Grundstück an die ewag kamenz übertragen, die nach intensiven Vorbereitungen und Planungen im Frühjahr 2004 mit umfassenden Sanierungsarbeiten begann. Im selben Jahr wurde der alte, 3,5 Tonnen schwere Granittrog vom Spittelforst ins Widder-Gelände umgesetzt.

Pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum sind Gebäude und Außenanlagen fertig gestellt worden. Die Wirkungsweise des außergewöhnlichen Pumpwerks ist seit Herbst 2005 in voller Funktionstüchtigkeit zu bestaunen. Mittlerweile nutzten mehr als 3000 Besucher diese Möglichkeit.


  • Tag des Wassers (jährlich am 22. März)
  • Tag des offenen Denkmals (jährlich am zweiten Sonntag im September)
  • Nach Voranmeldung bei A. Käppler, Tel (0 35 78) 377-360
    oder per E-Mail: alexander.kaeppler@ewagkamenz.de

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