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Elektrizitätswerk Kamenz  / / 100 Jahre Strom

100 Jahre Strom | Geschichtliches

Die Initiative der Brüder Ernst Albin und Martin Eugen Vogler haben es die Kamenzer zu verdanken, dass ihre Stadt elektrifiziert wurde. Der Lehrer und der Elektrotechniker bauten 1899/1900 an der Jahnstraße das Kamenzer Elektrizitätswerk Gebr. Vogler auf. Zwei Jahre später verkalkulierten sich die Brüder und gingen in Konkurs – doch der Strom floss weiter. Dafür sorgte der Ingenieur Hans Arensmeyer, der den Betrieb zwischen 1902 und 1909 unter dem Namen „Elektrizitätswerk Kamenz i. Sa.“ fortführte.


Damals produzierten drei Sauggasmotoren mit je 220 PS Leistung (ca. 150 kWh) den Strom für die Stadt Kamenz, den Ortsteil Spittel und die Gemeinde Jesau. Der vierte Maschinensatz, bestehend aus Dampfmaschine und Kessel, diente als Reserve. Die Generatoren-Anlage für Brikettvergasung wurde zu günstigen Konditionen mit Brennmaterialien aus der Senftenberger Brikett-Industrie betrieben. Das für den Betrieb nötige Wasser wurde aus zwei zu beiden Seiten des Werkes befindlichen Brunnen gewonnen.


Elektrizitätswerk Kamenz Maschinensaal / / 100 Jahre Strom
Elektrizitätswerk Kamenz Maschinensaal / / 100 Jahre Strom

Angesichts hoher Stromkosten profitierte vorrangig das städtische Gewerbe von der zentralen Licht- und Kraftversorgung. Aber auch die öffentliche Beleuchtung wurde über das E-Werk abgedeckt. Seither hat sich die Stromversorgung „demokratisiert“ und es gibt zahlreiche alternative Wege der Energiegewinnung. Aber auch heute noch wird in Kraftwerken mit Hilfe von großen Dampfturbinen Strom erzeugt. 1902 übernahm der Ingenieur Hans Arensmeyer das komplette Werk von den bankrott gegangenen Kamenzer "Elektrizitätspionieren", den Gebrüdern Vogler. 1905 ging er auf Grund steigernder Nachfrage eine Kooperation mit dem Ingenieur Grademeyer ein. Am 01.08.1909 übernahm die Stadt Kamenz das Werk. Der Ausstieg aus der Eigenerzeugung setzte kurz darauf ein. Der Anschluss an die Überland-Kraftwerke Pulsnitz war aufgrund der explodierenden Stromnachfrage unumgänglich. Nach 1918 bemühte sich die Stadt vergeblich, die Stromversorgung auch für angrenzende Ortslagen anbieten zu können.


100 Jahre sind in der Menschheitsgeschichte ein eher überschaubarer Zeitraum. Doch der rasante technische Fortschritt, der sich seit Anfang des 20 Jahrhunderts vollzogen hat, ist atemberaubend. Heute noch zeugen historische Apparaturen und Gebrauchsgegenstände von der spannenden Geschichte der Energieversorgung, berichten Zeitzeugen von der harten Arbeit, dem nötigen Pioniergeist und den Geistesblitzen, die es brauchte, um Kamenz „unter Strom zu setzen“.


Stromzähler  / 100 Jahre Strom
Stromzähler / 100 Jahre Strom

Stromzähler sind integrierende Messgeräte zur Erfassung gelieferter und genutzter Energie, d. h. elektrischer Arbeit (kWh). Gleichstromzähler haben aufgrund der allgemeinen Versorgung mit Wechselstromnetzen kaum noch Bedeutung. Historische Gleichstromzähler ähneln in ihrer Funktionsweise jedoch den heute üblichen Ferrariszählern, an denen der Energiedurchsatz als Zahlenwert abgelesen wird.


Voltmesser /  / 100 Jahre Strom
Voltmesser / / 100 Jahre Strom

Voltmesser sind Spannungsmessgeräte, die heute zumeist in digitaler Ausführung zum Einsatz kommen. Der Begriff Voltmesser gilt als überholt, da „Volt“ die Einheit bezeichnet und nicht die physikalische Größe, die tatsächlich gemessen wird.


Kabelmerkstein / / 100 Jahre Strom
Kabelmerkstein / / 100 Jahre Strom

Kabelmerksteine mit eingeprägtem Kopfzeichen liefern – heute wie damals – Anhaltspunkte zum Einmessen von Leitungstrassen. Sie stehen in einem definierten Abstand neben der Kabeltrasse. Mit ihrer Hilfe kann die Standlinie einer Leitung rekonstruiert werden.


Kabelhaube  / / 100 Jahre Strom
Kabelhaube / / 100 Jahre Strom

Kabelhauben bzw. Kabelabdeckhauben sind Halbschalen, die über Erdkabel gestülpt werden. Heute werden sie in PVC oder, wie auch schon früher, in Ton ausgeführt. Sie schützen die Leitungen vor dem Druck von Steinen oder Geröll und verhindern Beschädigungen beim Öffnen der Leitungsgräben.


Nach 1945 blieb die Stromversorgung unter wechselnden Firmierungen in städtischer Hand. In den 1950er und 60er Jahren erfolgte die Umstellung von Gleich- auf Wechselstrom. Gleichzeitig wurden die historischen Gaslampen der Stadtbeleuchtung nach und nach elektrifiziert. 1958 wurden, der administrativen Einteilung der DDR folgend, alle kleineren Elektrizitätswerke zusammengefasst, um schließlich 1970 im VEB Energiekombinat Ost aufzugehen.


Netzumstellung
Netzumstellung

1990 wurde die ESAG – Energieversorgung Sachsen Ost gegründet. Am 01.01.1997 übernahm die EWAG mbh Kamenz nach mehrmonatiger Netztrennung als städtisches Unternehmen die Stromversorgung der Stadt Kamenz und der Ortsteile Jesau und Wiesa. Seit dem beliefert die ewag kamenz als regionaler Stromanbieter Haushalts-, Gewerbe- und Industriekunden auch über die Region Kamenz hinaus und zeichnet sich als Netzbetreiber in Kamenz für das Mittel- und Niederspannungsnetz verantwortlich.


Sonderbriefmarke 100 Jahre Strom

Aus Anlass des Jubiläums “100 Jahre öffentliche Stromversorgung Kamenz“ erschienen am 08.09.2009 bei PostModern Dresden die passenden Jubiläums-Briefmarken, zwei 49 Cent-Marken in einer Blockausgabe (Auflage 3480 Stück).